QualityLand in Sicht?!

THEATER-PROJEKTE IN LANDAU

Mit gleich zwei theatralen Projekten und einem Hörbuch hat das Zentrum für Kultur- und Wissensdialog den Auftakt zum Kooperationsprojekt „QualityLand in Sicht?!“ der Universitätsstandorte Kaiserslautern und Landau gefeiert.

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(QualityLand, Marc-Uwe Kling)

Am Samstagnachmittag, den 24. Juli ist die Zukunftssatire „QualityLand“ von Marc-Uwe Kling in der Landauer Innenstadt im Rahmen der Landauer Weintage zum Leben erweckt worden. Die Inszenierung haben die DS-Studierenden Kim Würth und Fabian Stassek realisiert. Mit interaktiven Walking-Acts und kleinen Mikroszenen wagten die Abschlussstudierende des Studiengangs Darstellendes Spiel / Theater zusammen mit weiteren Studierenden der Universität Landau einen überspitzten Blick auf die Digitalisierung der Welt. Dabei wurden neue Corona-konforme Darstellungsformen gefunden, die trotz der Einhaltung der Abstandsregeln eine rege Interaktion mit dem Publikum zuließen. Der Humor kam dabei auch nicht zu kurz. Durch viele satirische Brüche sind die Zuschauer*innen gleichermaßen zum Lachen und zum Nachdenken angeregt worden. Zwischen dem Landauer Deutschen Tor und der ehemaligen Polizeiwache kam es damit zu einem regen Austausch über den Stoff des Buches.  Die „Quality“-Performances fanden sehr positiven Anklang bei den rund 2.000 Besuchern der Weintage.

Auch beim zweiten Theaterprojekt zu Marc-Uwe Klings „QualityLand“ arbeiteten die Studierende des Studiengangs Darstellendes Spiel/Theater unter der Leitung von Aylin Kekec die gesellschaftskritische Komponente des Romans heraus. Innerhalb von fünf Wochen stellten die Landauer Studierende zusammen mit der Mainzer Hochschulgruppe „PunktT.heater“ ein theaterpädagogisches Projekt auf die Beine. Im Mittelpunkt steht der zweifelhafte Romanheld Peter Arbeitsloser. Obgleich von Rückschlägen geprägt, entlarvt Peter Arbeitsloser mehr und mehr die Abgründe der in „QualityLand“ herrschenden Strukturen. Er wird dabei nicht nur mit der erschütternden Realität der technisierten Gesellschaft konfrontiert, sondern muss sich auch mit höchst existenziellen Fragen nach dem Sinn des Lebens, der eigenen Identität sowie nach individueller und gesellschaftlicher Freiheit auseinandersetzen.
Auch bei dieser Inszenierung haben die Studierende coronakonforme Darstellungsformen gewählt. So übernahmen die fünf Darsteller*innen gleich mehrere Rollen innerhalb des Stücks. Auf diese Weise sind sie zugleich den Kontaktbeschränkungen und den Romanvorgaben gerecht geworden. Die Erstaufführung fand am 6. August im kleinen Rahmen statt.

Das Hörspiel „Adornos Reise nach Quantityland“ wurde von der DS-Studentin Janine Rosemann entwickelt. Es nutzt als Stoffvorlage den Erfolgsroman von Marc-Uwe Kling. Diesen stellt es in Zusammenhang mit dem dystopischen Roman „Brave New Word“ vom britischen Autor Aldous Huxley und dem Leben und Denken des deutschen Philosophen Theodor W. Adorno. Im Hörspiel reist Theodor W. Adorno zu Forschungszwecken nach „Quantityland“. Dort ist er schockiert von den digitalen Überwachungsmechanismen, der Moral der Gleichheit und der Überordnung der Technik über den Menschen. Zudem wird ihm noch prognostiziert, dass er nur noch fünf Tage zu leben habe. An seiner Seite steht unfreiwilliger Weise die Robotin „Mäggi“. Erst möchte der Philosoph mit ihr nicht reden, aber dann erfährt er, dass sie keine Maschine, sondern eine verwunschene menschliche Frau ist. Damit findet auch der mythologische Pygmalion-Stoff im vielschichtigen Hörspiel eine ästhetische Modifikation. Insgesamt spielen zehn Studierende des Studiengangs DS beim achtszenigen Hörspiel mit.

LITERATURFESTIVAL KAISERSLAUTERN

"Das Internet ist die Achillesferse einer ganzen Gesellschaft."
(Wolf Harlander, 2021)

Im Rahmen des Literaturfestivals Kaiserslautern und des Kooperationsprojekts „QualityLand in Sicht?!“ lud CampusKultur am Mittwoch, 8. September, zu einer spannenden Lesung in die Fruchthalle Kaiserslautern ein. Der Bestseller-Autor und Journalist Wolf Harlander gab Passagen aus seinem gerade frisch erschienenen Thriller „Systemfehler“, in dem es um Cyberkriminalität geht, die ganze Systeme betrifft, zum Besten. Simone Holt, Geschäftsführerin von CampusKultur, moderierte den Abend und ging zwischen den Leseabschnitten immer wieder ins Gespräch mit dem Autoren. Harlander selbst richtete sich mit Fragen wie „Darf ich fragen: Hat hier heute jemand kein Handy dabei?“ ans Publikum und regte so die Diskussion zum Thema Digitalisierung und der damit zusammenhängenden Abhängigkeit vom Internet an.

Wolf Harlander, geboren 1958 in Nürnberg, studierte Journalistik, Politik und Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sein Umwelt-Thriller „42 Grad“ stand wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurde mit dem „Stuttgarter Wirtschaftskrimipreis“ und der „MIMI 2021“, dem Krimipreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

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